Kinder fördern im Alltag – Wann, wie oft und wieso?

Ab wann sollte ich meine Kinder fördern? Kann-Kinder können früher zur Schule gehen, sofern wir als Eltern das so entscheiden. Aber wie bereite ich mein Kind dann auf die Schule vor? Und wie schaffe ich, das in den Alltag zu integrieren?

Der frühe Vogel startet schneller,…

…der ausdauernde kommt ins Ziel.

Wenn ihr Eltern eines Kann-Kindes seit, solltet ihr euch möglichst früh überlegen, ob ihr es früher einschulen wollt oder nicht. Wenn es für euch in Frage kommt, dann beginnt so schnell wie möglich mit der Vorbereitung. Es bringt nichts, das Kind eine Woche vor Schulanfang noch fördern zu wollen. Wenn ihr schon mit 3 Jahren beginnt, dann hat euer Kind einen richtigen Vorteil und kann womöglich viele Dinge kompensieren, wegen der es sonst Probleme bekommen würde.

Lest hierzu auch meinen Artikel: Früher einschulen, ja oder nein?

Wichtig ist hierbei vor allem, das ihr durchgängig eure Kinder fördert. Einmal, alle paar Monate einen ganzen Tag lang bringt nichts. Jeden Tag 15 Minuten schon viel mehr. Man kann ja auch nicht alle 3 Monate einen Marathon von 30 km laufen. Wenn man aber jeden Tag einen Kilometer joggt, schafft man in den 90 Tagen problemlos die dreifache Strecke. Natürlich könnt ihr die Förderung mal ausfallen lassen oder euch nur jeden 2. Tag hinsetzen. Aber wenn ihr eure Kinder fördern wollt, sollte es regelmäßig geschehen, um auch ein Ergebnis zu erzielen.

Spaß haben gibt Kraft und Durchhaltevermögen

Was viele Leute dabei vergessen, es muss euch auch Spaß machen. Wenn ihr euch bei einer Übung nicht wohl fühlt, sie selber nicht versteht oder lieber woanders sein würdet, dann merkt das euer Kind und wird das Verhalten reflektieren. Versucht also euer Kind so zu unterstützen, das ihr alle daran Freude habt und die Zeit zusammen auch genießen könnt.

Wenn ihr die ganze Zeit meckert und korrigiert, oder euch keine Zeit nehmt sondern nur Aufgaben „hinklatscht“, wird die Zeit nicht als positiv wahrgenommen. Nehmt euch Zeit, setzt euch ohne Störung zusammen und macht ein Bisschen was Leckeres nebenbei (z.B. einen Apfel oder ein paar Dinkelstangen). Lasst eurem Kind die Zeit, die es braucht. Lobt es, wenn es etwas gut macht aber meckert nicht, wenn es etwas nicht auf Anhieb schafft. Lasst es alleine versuchen und erklärt nur, wenn es sich wirklich festgefressen hat. So wird „Lernen“ zu einem positiven Erlebnis und euer Kind wird später nicht an „Prüfungsangst“ denken, sondern an Apfelstückchen und einen tollen Abend.

Was soll ich meinem Kind beibringen?

Das ist eine sehr gute Frage. Kinder fördern ist eine persönliche Sache, hier gibt es keine allgemeine Antwort. Denn ihr kennt euer Kind am besten und wisst, wo es Schwächen hat und wo nicht. Auch die Art, wie ihr eurem Kind etwas beibringt, ist individuell. Daher habt ihr der Schule gegenüber einen riesigen Vorteil. Denn dort kann nicht auf jedes Kind einzeln eingegangen werden. Statt dessen müssen sich die Kinder einer Person anpassen, dem Lehrer.

Woran sehe ich Defizite?

Im Kindergarten ist dies leicht. Redet mit den Erziehern, diese haben einen guten Überblick ob euer Kind „normal“ entwickelt ist. Eventuell können sie sogar Tipps geben, wie ihr eure Kinder fördern könnt. Und akzeptiert, was gesagt wird. Ich möchte den meisten Erziehern unterstellen, das sie nicht versuchen, unser Kind als „doof“ darzustellen. Sie möchten uns helfen, unser Kind bestmöglich vorzubereiten. Also, auch wenn es weh tut, versucht negative Äußerungen nicht als Beleidigung, sondern als Wissenszuwachs zu sehen. Nur wenn wir auch Kritik hören, können wir uns verbessern.

Ansonsten bleibt der Gang zum Kinderarzt oder der Vergleich mit anderen Kindern. Beim Vergleich sollten wir versuchen, eine „Quersumme“ zu bilden und nicht einfach unser Kind mit einem anderen vergleichen. Was EIN anderes Kind kann, muss keine Aussage über das Können von allen Gleichaltrigen sein, denn jedes Kind entwickelt sich anders. Wenn aber 6 Kinder den Stift richtig halten, unser Kind aber falsch, dann können wir davon ausgehen, das wir das verbessern sollten.

Wird mein Kind nun ein Genie?

Nein, leider nicht. Euer Kind wird mit euch zusammen nur das lernen, was ihm von der Natur vorgegeben ist. Sein IQ wird sich nicht großartig ändern. Wenn euer Kind nicht logisch denken kann, dann kann es nicht logisch denken. Wenn es kein Gedächtnis für Zahlen hat, dann hat es kein Gedächtnis für Zahlen. Das können wir nicht ändern, selbst wenn wir unsere Kinder fördern. Aber was bringt es dann?

Ganz einfach: Ihr helft eurem Kind, sein Potential komplett zu entfalten. Vielleicht kann es sich keine Zahlen merken. Aber wenn es schon mal Zahlen kennt, diese malen kann und weiß, was sie bedeuten, dann hat es einen Vorteil. Es muss keine Dinge extra lernen oder beachten, sondern kann sich komplett darauf konzentrieren, sich die Zahlen zu merken. Dadurch fällt es ihm viel leichter, da der Kopf sich nur auf eine Sache richtet und nicht immer von Sache zu Sache springen muss. Einfach mal ein Beispiel:

Gedankengang ohne Förderung:

Was ist das erste für eine Zahl. Hmmm, überlegen. Ah, eine 6. Was ist das 2. für eine Zahl, hmmm, mal überlegen. Eine 4 … nein, eine 7. Ich soll die 7 mit der anderen Zahl zusammenrechnen. Was war das nochmal für eine Zahl? Hmmmm… eine 6. 6 und … Was war das nochmal? ah 7…

Gedankengang mit Förderung

Ich muss diese 2 Zahlen zusammenrechnen. 6 und 7.

Ihr seht, es ist ein viel kürzerer Weg, bis die eigentliche Rechnung erfolgen kann. Natürlich ist es ein bisschen übertrieben dargestellt, und das Ganze läuft meist in Sekundenschnelle im Gehirn ab. Aber es verdeutlicht 2 Dinge. 1. ist der erste Weg länger und 2. auch deutlich anstrengender. Wenn wir unserem Kind also von vornherein helfen, Dinge „um eine Schwäche herum“ zu erkennen, kommt die Schwäche nicht so stark zum Tragen. Das Beispiel zeigt es, durch das „Nachdenken und dann Erkennen“ der Zahl werden die Gedanken von der ersten Zahl weg zur zweiten Zahl gezogen. Dadurch kann das Kind sich diese nicht merken und muss wieder einen Schritt zurück gehen. Wenn es die Zahlen kennt, braucht es sich nur die 2 Zahlen merken, alles andere läuft schon automatisch.

Kinder fördern, aber wie?

Zur Förderung lest auch meinen Artikel: Zu Dumm oder nur Langsam – Wie lernen Kinder?. Dort könnt ihr nachlesen, wie Kinder die Welt entdecken

Förderung von kleinen Kigakids

Bei ganz kleinen Kindern (also 3 bis 4) würde ich mich nicht fragen, was ich „verbessern“ kann. Fangt einfach mit irgendwas an. Unsere Kinder werden von kleinen Dingen in so vielen Bereichen gefördert, das wir es oft gar nicht mitbekommen. Malt ein Schiff und lasst euer Kind das Schiff ausmalen. Das fördert die Stifthaltung, die Muskeln in den Armen, die Geschicklichkeit, die Phantasie, die Sprache, euer Verhältnis zueinander, die Konzentration, … Und es ist nur ein einfaches Bild und vielleicht 5 Minuten Zeit.

In den ersten Lebensjahren ist es besonders wichtig, das ihr etwas mit dem Kind macht. Was ist meistens egal, nur abwechslungsreich sollte es sein. Kocht zusammen, malt zusammen, spielt zusammen. Lasst euer Kind…

  • …den Radiosender auswählen und es wird dadurch ein kleines Bisschen selbstsicherer.
  • …Essen kochen und es wird ein kleines Bisschen geschickter.
  • …den Tisch decken und es wird ein kleines Bisschen selbstständiger.
  • …mit euch schmusen und es wird ein kleines Bisschen sozialer.

Das ist kein Hexenwerk, es ist nur wichtig, das ihr dabei seit und euch wirklich Zeit dafür nehmt. Dann habt ihr eine gute Grundlage, wenn es später um speziellere Förderungen geht.

Förderung der Großen

Bei größeren Kindern solltet ihr auf jeden Fall einmal mit dem Kindergarten oder Arzt sprechen. Danach sucht euch „Übungen“, die dem Kind und euch gefallen, um das „Defizit“ auszugleichen.
Wenn es zum Beispiel nicht richtig sprechen kann, dann könnt ihr Lieder singen, Geschichten zusammen erzählen, Quatschworte erfinden und nachsprechen, Telefonieren, Fragen/Antworten-Spiele spielen, …
Hat es kein Zahlenverständnis, dann übt mit Geldstücken, Bauklötzen, Tannenzapfen, Kopfkissen, Mamas Schuhen (davon sind ja meistens genug im Haus…) oder auch mit Schokoladentäfelchen (die immer weniger werden).

Baut die Übungen auch im Alltag ein, fragt „Wie viele Teller brauchen wir“ oder „Ich brauche für uns 2 heute Mittag 2 Eier, aber Klaus kommt zu Besuch, dann sind wir 3. Wie viele Eier brauch ich dann?“ Oder „Kannst du mir sagen, wie viele Eier noch in der Packung sind? Wir brauchen 3, reicht das noch?“ Euer Kind wird zu einer wichtigen Informationsquelle, merkt, das ihr es ernst nehmt und lernt dabei noch.

Darüber hinaus gibt es nahezu unzählige Vorschulhefte und Bücher, mit denen ihr eure Kinder fördern könnt. Viele der Übungen darin lassen sich auch einfach nachstellen bzw. selber bauen.

Fazit

Wenn wir uns frühzeitig dazu entscheiden, das unser Kind früher eingeschult werden soll, müssen wir aktiv werden. Wir müssen uns Zeit nehmen, unserem Kind den Weg zu bereiten. Aber mit ein bisschen Phantasie und Geduld lässt sich dies leicht in den Alltag integrieren. Kleine Kinder fördern wir am besten durch Nähe und gemeinsame interessante Erlebnisse und Projekte, großen Kinder können wir auch mit speziellen Übungen helfen. Wir machen aus unseren Kindern zwar keine Genies (sofern sie von Natur aus keine sind), aber bereiten sie bestmöglich vor. So können sie später eventuelle Defizite viel leichter ausgleichen und haben es viel leichter.

Linkliste

Das war’s von mir. Übt ihr auch etwas Spezielles mit euren Kindern? Seit wann tut ihr das? Oder lasst ihr einfach den Kindergarten und die Schule machen und eure Kinder Kinder sein? Oder welche Ideen habt ihr, um Kinder zu fördern? Schreibt’s in die Kommentare.

Viele Grüsse und eine entspannte Zeit,

Thomas

4 Kommentare zu “Kinder fördern im Alltag – Wann, wie oft und wieso?

  1. Hallo Thomas,
    mein Großer ist gerade im Vorschulalter (5 Jahre seit August). Da er überhaupt nicht gerne malt, muss ich ihn jetzt vermehrt dazu animieren. Das habe ich inzwischen vom Kinderarzt und der Kindergärtnerin gesagt bekommen. Gut, versuche ich. Ist aber schwer, weil es ihn null interessiert. Er hat schlichtweg keine Lust darauf. Auch so juckt ihn das Thema Schule noch nicht wirklich. Weswegen ich mir (und mein Mann ebenfalls) die Frage stelle, ob wir ihn nicht vielleicht doch zurückstellen. Wir lassen das jetzt aber auf uns zukommen, und erzwingen nichts. Wir hoffen halt nur, dass wir dann die richtige Entscheidung treffen, wenn es so weit ist.
    Gruß
    Tina

    1. Hi Tina,

      ich habe da einen Tipp für dich 🙂 meine Frau hat sich gerade den Xoomy geholt (ums genau zu sagen, sie hat sich 2 geholt, damit sie die beiden den Kindern mal ausleihen kann :)). Das Ding ist absolute Klasse. Auch wenn es erst ab 7 ist malt sogar unser 3-Jähriger darauf (allerdings auf dem kleinen Ding). Und es wäre evtl. was für deinen Blog 🙂

      Was mir noch dazu einfallen würde wären andere Stifte nehmen oder mit dem Tuschkasten arbeiten. Oder Abpauschen von Dingen (z.B. Münzen oder Blätter). Unsere Jungs sind zum Glück echte Künstler, die interessieren sich für alles was irgendwie abfärbt :).
      Ansonsten könntest du auf seine Interessen schauen und ob du irgendwas damit verbinden kannst. Wenn er gerne mit Holz arbeitet dann seinen Namen mit Edding draufschreiben lassen oder das gebastelte Lackieren. Wenn er gerne Sport macht, dann könnte er sich sein eigenes Trikot gestalten mit T-Shirt-Stiften.

      VG,

      Thomas

  2. Hallo Thomas!
    Lieben Dank für die Tipps!
    Ich hab‘ ihn jetzt tatsächlich ein bisserl zum Malen gebracht. Frag‘ mich nicht warum, aber er ist gerade total davon begeistert Schatzkarten zu malen. Dabei übt er auch gerade Strichlinien. Gut, soll er tun! Den Xoomy schau‘ ich mir mal an. 😉
    LG, Tina

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