Veränderung im Kindergarten – Wieso ist mein kleiner Schatz jetzt Mr. Hyde?

Infos und Geschichten

Sobald unsere Kleinen in den Kindergarten gehen, verändert sich auch häufig ihr Verhalten. Leider sind nicht alle Veränderungen positiv. Wie sollen wir uns dann verhalten und was hat das mit dem Kindergarten zu tun?

Die erste Zeit im Kindergarten ist für viele Kinder etwas besonderes. Sie kommen in eine Gruppe, die sie zumindest größtenteils nicht kennen, werden von ihren Eltern getrennt und lernen viele neue Dinge. Einiges zu dieser Zeit steht auch in meinem Artikel zur Eingewöhnung. Doch auch wenn die Eingewöhnung super verlaufen ist, bleibt es meist nicht aus, das sich das Verhalten ändert, denn große Einschnitte im Leben bestimmen auch zum Teil unser Handeln. Da wir alle verschieden sind, ist diese Änderung bei Kindern natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Ein ganz liebes Kind kann auf einmal zu einem kleinen meckernden Monster werden, ein total wildes und aufgeschlossenes Kind wird auf einmal ruhig und in sich zurückgezogen. Dazwischen gibt es noch unglaublich viele Variationen, manche gut, manche schlecht aber alle einzigartig.

Veränderungen sind Teil des Lebens

Generell sind Veränderungen im Verhalten gut und wichtig für unsere Kinder. Und es gibt viele positive, zum Beispiel weiß ich noch, wann unser Großer das erste mal durch geschlafen hat. Wir waren nicht nur ausgeschlafen, wir sind auch gleich in sein Zimmer rein, um zu schauen, ob er noch atmet. Seit der Zeit des Babyseins hat sich der Charakter und das Verhalten unseres Kindes immer weiter geformt. Das sich das Verhalten beim Kindergarteneintritt ändert, kann mehrere Gründe haben. Die neue Situation ist das eine, aber im Alter vom 3 ändern sich viele Kinder auch von sich aus, ohne in den Kindergarten zu gehen. Das Kind macht in dieser Zeit eine eigene Identitätsfindung durch, welche völlig normal ist für das Alter.

Nicht jede Veränderung tritt wegen dem Kindergarten auf

So wie jedes Kind einzigartig ist, ist natürlich auch die Lebenssituation einzigartig. Wenn ihr zum Beispiel euer Kind in den Kindergarten gebt, um arbeiten zu gehen, dann spürt das Kind natürlich auch die Veränderung bei euch. Kinder sind da sehr feinfühlig und können auch dadurch ihr Verhalten ändern. Ebenso wenn gerade ein Geschwisterkind geboren wurde, ein Haus gebaut wird, ein Verwandter gestorben ist oder ein Umzug ansteht, all das wirkt auch auf das Verhalten des Kindes. Wenn ihr euch also wundert, wieso euer Kind anders auf den Kindergarten reagiert als andere, seht euch auch kurz in eurer eigenen Situation um. Jeder von uns ist das Produkt der 5 Menschen um sich herum, mit dem er die meiste Zeit verbringt. Das gilt natürlich auch für Kinder. Daher solltet ihr gerade in der Anfangszeit versuchen, Stress und Veränderungen im Umfeld zu vermeiden.

Es ist immer anders

Auch wenn sich im Umfeld jetzt nichts Gravierendes verändert, etwas wird anders. Ihr müsst morgens um eine bestimmte Zeit aufstehen, das Kind wird angezogen und muss in den Kindergarten gebracht werden. Hier ist es wichtig, dem Kind genügend Zeit zu geben, um Stress zu vermeiden (für beide Seiten). Wenn man eurem Kind im Gehen die Schuhe besohlen könnte (so wie mir damals), dann steht besser etwas früher auf als später zu hetzen. Das ist zwar am Anfang etwas nervig, aber insgesamt viel stressfreier als das morgendliche Rennen und Meckern.

Gleiches gilt für das Abholen, evtl. hat euer Kind noch nicht gegessen, das Essen muss also geplant, der Abholweg berücksichtigt werden. Wenn einer das Kind bringt und der andere das Kind holt, weiß der 2. nicht was der 1. in den Kindergarten mitgebracht hat. Und es wird auch immer lustige Situationen geben, wo Papa das Kind z.B. mit einer fremden Jacke oder in Hausschuhen abholt (ja, hier sind meistens wir Väter schuld, keine Ahnung wieso).

Auf einmal werden Freunde zu euch nach Hause eingeladen, ihr lernt neue Eltern kennen und evtl. müsst ihr auch Arbeitsstunden im Kindergarten leisten. Dazu kommen die Kosten, die je nach Gehalt auch ganz schön knackig sein können. Und manchmal treten auch außergewöhnliche Stressmomente auf. All das ändert sich auch außerhalb des Kindergartens in eurem Leben. Und je nachdem wie ihr damit umgeht, erfährt dies auch euer Kind.

Positives stärken

Wenn euch eine Änderung auffällt die euch gefällt, dann stärkt euer Kind. Stellt ruhig raus, das ihr es toll findet, was es jetzt macht. Wenn es zum Beispiel jetzt vor dem Essen freiwillig die Hände wäscht, dann sagt ihm, das ihr das toll findet. Dadurch weiß das Kind, welche Veränderungen „gut“ sind. Und es lernt auch, das Veränderungen in seinem Verhalten belohnt werden können.

Schlechtes akzeptieren

Natürlich fällt es schwer, wenn die ganze Mühe die in die Erziehung gesteckt wurde, anscheinend den Bach runter geht. Aber manche Änderungen sind gar nicht so schlimm, wie man vielleicht zu Anfang denkt. Wenn das Kind zum Beispiel auf einmal wieder bei Mama und Papa schlafen will, dann kann es das ruhig. Der Kindergarten ist auch eine neue Zeit der Trennung, daher brauchen viele Kinder einfach auf einmal die Nähe.

Manche Schimpfworte kann man auch einfach mal ignorieren, denn die Kinder fühlen sich oft nur noch aufgestachelt, wenn man ihnen Wörter verbietet. Und wie viele Schimpfworte bringen wir den Kindern selber bei? (Als ich mit dem Kopf gegen die Spielhaustür gerauscht bin, habe ich der ganzen Nachbarschaft einiges beigebracht). Und wenn das Kind sich gegen uns durchsetzen will, dann können wir das auch mal durchgehen lassen, solange es nicht gefährdet wird. Denn auch das gehört zum groß werden. Und das sollte ja das Ziel unserer Erziehung sein.

Alles hat eine Grenze

Wenn uns trotzdem ein Verhalten stört und wir es nicht akzeptieren können, müssen wir es verbieten. Der erste Weg sollte immer die Absprache mit dem Kindergarten sein. Wie verhält sich das Kind hier und wo könnten die Ursachen für das Verhalten liegen. Wenn man dabei keine Antworten findet, muss man dagegen vorgehen. Gerade hier kommt es uns zu gute, wenn wir einige „schlechte“ Änderungen akzeptieren, so können wir gegen die Dinge, die uns wirklich stören, mit aller Kraft vorgehen. Und die Kraft benötigen wir im Normalfall auch, denn einige Angewohnheiten sind schlimmer weg zu bekommen, als Kaugummi vom Sofa. Manchmal können wir auch nichts gegen eine Angewohnheit selber tun, dann müssen wir versuchen, die Gewohnheit über einen anderen Weg zu minimieren. Hier ein paar Beispiele, wobei ich weder Kinderpsychologe noch Erzieher bin und eure Kinder auch nicht kenne.
Was ihr wie umsetzt bleibt natürlich euch überlassen. Bei den Fällen gehe ich davon aus, das es sich um starke Verhaltensweisen handelt. Wenn ein Kind abends eine halbe Stunde früher müde wird, muss die Ernährung nicht wirklich umgestellt werden (meine Meinung). Wenn es sich aber nur noch durch den Tag treiben lässt, würde ich schon etwas unternehmen. Was genau auf euch zutrifft, wisst ihr am besten.

Wenn ein Kind auf einmal sehr aggressiv wird, um sich schlägt oder den ganzen Tag wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend läuft, würde ich versuchen es mehr zu bewegen. Der Kindergarten ist anstrengend und viele Kinder brauchen einfach einen Ausgleich. Einmal die Woche zum Sport oder zuhause mal ein paar Bewegungsspiele wirken hier oft schon Wunder.
Wenn das Verhalten nur direkt nach dem Kindergarten auftritt, würde ich versuchen, dem Kind erst mal die Möglichkeit zu geben, runter zu kommen. Der Kindergarten ist sehr anstrengend und wenn wir nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommen, wollen wir vielleicht auch nicht gleich Essen, reden oder rum rennen sondern erst mal unsere Ruhe. Hier würde eine Gewohnheit gut passen, z.B. nach dem nach Hause kommen erst mal ein Buch lesen. Wichtig ist hierbei, das es jeden Tag gleich gemacht wird. Denn durch eine Gewohnheit stellt sich der Körper auch auf diese Gewohnheit (in diesem Falle das runterfahren) ein. Sprich, das Kind kommt nach hause und fährt runter anstatt hoch.

Wenn es sehr selbstsüchtig ist (alles meins, du bekommst nichts) oder schnell Wutanfälle bekommt, würde ich versuchen, mit ihm Brettspiele zu spielen. Kinder versuchen oft, uns Eltern zu kopieren. In dem wir ihm zeigen, das man auch mal verliert bzw. wie ein guter Verlierer aussieht, wird das Kind das irgendwann übernehmen. Andere Spiele können nur zusammen gewonnen werden (mein persönlicher Favorit ist hier das Spiel Obstgarten), dadurch lernt das Kind auch Zusammenarbeit. Wenn das Kind sich bei dem Spiel doof verhält, schummelt oder die Figuren durch die Gegend wirft, wird abgebrochen. Wichtig hierbei ist, dass das Spiel nicht wieder aufgenommen wird, wenn sich das Kind beruhigt hat. Durch den Abbruch lernt es, das sein falsches Verhalten etwas ausgelöst hat. Bei einer Fortsetzung des Spiels wird das Kind lernen, das es bekommt was es will, egal wie es sich verhält. Wenn wir hier konsequent sind, wird das Kind auch schnell(er) lernen. Allerdings ist die Aufmerksamkeitsspanne in dem Alter oft noch nicht sehr groß, also sollte am Anfang nicht länger als 10 bis 15 Minuten gespielt werden.

Wenn es sich sehr zurückzieht, keine Lust mehr hat, etwas zu machen und sehr schüchtern wird, dann kann das mehrere Ursachen haben.
Wenn es körperlich einfach erschöpft ist sollten wir versuchen, den Mittagsschlaf wieder einzuführen. Auch würde ich in dem Fall versuchen, die Ernährung umzustellen, zum Beispiel ein paar Rezepte mit mehr Gemüse oder anderen frischen Sachen, als Knabberzeug Dinkelstangen oder Reiswaffeln und statt Weißbrot einfach mal etwas herzhaftere Brotsorten (muss ja nicht gleich Schwarzbrot sein :)). Wenn man keine Gemüse in groß in das Kind rein bekommt empfehle ich den Pürierstab und das Gemüse in Maßen zu servieren. Ein bisschen Zucchini in der Nudelsauce schmeckt man kaum raus und zerhackt fällt es auch nicht auf. Möhren im Kartoffelpüree, frische Kräuter in der Panade, all das ist besser als nichts zu tun. Und unserer Erfahrung nach wird die Gemüseplatte viel besser angenommen, wenn man sie als Familienabend anbietet (z.B. an einem Abend in der Woche essen die Kinder mit den Eltern zusammen vorm Fernseher, finden nicht alle Eltern toll, ist aber wirkungsvoll).
Wenn es sich nicht um ein körperliches Problem handelt, muss erst mal mit dem Kindergarten gesprochen werden. Wie verhält sich das Kind dort, was erzählt es von zuhause. Evtl. hat es Trennungsangst, der Stress in der Gruppe ist zu groß oder der Tag einfach zu lang. Wenn möglich könnte die Kindergartenzeit etwas reduziert (oder wenn es Probleme gibt, ein anderer Kindergarten gesucht) werden. Manchmal hilft es dem Kind, wieder mehr Nähe zu den Eltern aufzubauen (gemeinsame Aktionen, zusammen Duschen/Baden, beieinander schlafen, gemeinsam Lesen). Wichtig ist auf jeden Fall, das Eltern ein Stein sind, der verlässlich und unverrückbar im Leben des Kindes steht. Das bedeutet für uns, was wir sagen muss der Wahrheit entsprechen. Wenn wir versprechen, das wir unser Kind um 13:00 Uhr abholen, ist es nicht ok, wenn die Oma das Kind holt. Oder wenn wir uns verspäten. Das Kind muss wissen, das es sich auf uns verlassen kann.

Generell ist zu sagen, das wir Eltern für unsere Kinder viel wichtiger sind als der Kindergarten. Der Kindergarten ist also nur eine Ergänzung zu dem, was wir unseren Kindern beibringen. Er kann verstärken oder abschwächen, neues aufzeigen aber uns nie ersetzen. Und das ist ein gutes Gefühl wie ich finde 🙂

Und nun seit ihr dran. Hat sich euer Kind im Kindergarten verändert? Oder ist diese Phase komplett an euch vorbei gelaufen? Was tut ihr, wenn euer Kind Wutanfälle bekommt oder wenn es viel mehr kuscheln will als sonst? Schreibt mir in die Kommentare, ich freue mich drauf. Und denkt wie immer dran, euch für den Newsletter zu registrieren 🙂

VG,

Thomas

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