Wie kann ich meinem Kind die Eingewöhnung in den Kindergarten erleichtern?

Eltern und Familie

Der Start in den Kindergarten ist etwas ganz besonderes, nicht nur für das Kind. Auch wir Eltern müssen loslassen üben und unser Kind zum ersten Mal in fremde Hände geben. Diese Hände und unser Kind kennen sich aber nicht. Oftmals endet das mit Tränen oder Stress, obwohl dies nicht hätte sein müssen. Hier stelle ich einige Tipps vor, mit denen die Eingewöhnung leichter fällt.

Vorfreude statt Zwang

Schon bevor es losgeht mit dem Kindergarten, sollte das Kind positive Erfahrungen mit der Einrichtung gemacht haben. Sei es durch kurze Besuche während der Öffnungszeiten oder aber, wenn möglich, auch nach Kindergartenschluss. Wenn ein Kind das Gelände und das Gebäude schon ein wenig kennt, dann fällt es ihm leichter, sich zurechtzufinden. Auch wenn es schon mal mit den Erzieherinnen gesprochen, gespielt oder gekuschelt hat, wird Vertrauen aufgebaut. Dadurch fällt dem Kind die spätere Trennung leichter. Schön ist es natürlich auch, wenn man von seiner eigenen Kindergartenzeit (positiv) berichtet oder Bücher zu dem Thema vorliest. Je genauer das Kind weiß, was auf es zukommt, desto besser.
Schlecht ist im Vorfeld, wenn negativ vom Kindergarten gesprochen wird. Dinge wie „Im Kindergarten kannst du dir das nicht erlauben“ oder „Die werden dir schon zeigen, wo es langgeht“ schrecken das Kind eher ab, als dass sie helfen. Außerdem solltet ihr vermeiden, etwas unter Zwang durchzusetzen und es mit dem Kindergarten zu begründen. „Du musst jetzt trocken werden, im Kindergarten bist du sonst der Einzige mit einer Windel“ fällt in diese Kategorie. Das kann dazu führen, dass das Kind sich eher fürchtet, als dass es sich freut..

Die richtige Sache zur richtigen Zeit

Noch vor dem ersten Tag erhält man normalerweise einen Stundenplan, anhand dessen man den Ablauf im Kindergarten erkennen kann. Dort stehen dann Aktivitäten wie z.B. Sport oder Freispiel, aber auch die Essens- und ggf. Schlafenszeiten. Wenn möglich, sollte das Kind rechtzeitig „in den Rhythmus“ gebracht werden. Dadurch vermindern sich die Probleme im Kindergarten enorm und das Kind kann sich auf die jeweilige Aktivität viel besser konzentrieren. Viele Mütter kennen vielleicht die nicht gerade freundliche Reaktion ihres Kindes, wenn das Mittagessen noch 30 Minuten dauert, das Kind aber JETZT Hunger hat (und im besten Fall in 30 Minuten eigentlich schläft). Letztenendes erleichtert diese Maßnahme dem Kind und auch den Erzieherinnen den Alltag.

Heute bist du mal bei der Oma

Wenn euer Kind noch nie alleine bei jemand anderem gewesen ist, dann kann dies zu Problemen im Kindergarten führen. Daher sollte es vorher zumindest schon einige Male bei anderen Menschen, z.B. Oma und Opa gewesen sein. Das schärft das Selbstbewusstsein und auch das Wissen, das Mama und Papa immer wieder zurückkommen. Um dies zu gewährleisten, sollte man während der ersten Male immer erreichbar bzw. in der Nähe sein (aber vom Kind natürlich nicht gesehen werden). Wenn das Kind dann Mama und/oder Papa bei sich haben will, dann geht das schnell. Und die Sorge, von Mama und Papa alleine gelassen zu werden, wird ein bisschen kleiner.

Die Erzieherin kann euch nicht ersetzen

In vielen Fällen ist Mama (und in einigen wenigen auch der Papa) noch immer die beste. Trösten, Pflaster aufkleben, Mut zusprechen oder das Mittagessen, bei all dem muss das Kind auf die Mama verzichten, nachdem sie den Kindergarten verlassen hat. Und die Erzieherin muss diese Dinge übernehmen (und in den meisten Fällen kann sie das auch, sogar gar nicht schlecht).
Allerdings ist es eventuell ein bisschen vermessen, alles von der Erzieherin zu verlangen. Wenn euer Kind noch gestillt wird, sollte es schon vor der Eingewöhnung zumindest an die Flasche gewöhnt werden (und diese auch von jemand anderem als der Mama nehmen).
Gleiches gilt für Schlafgewohnheiten. Die Erzieherin wird sicher nicht in der Lage sein, das Kind eine Stunde lang im Park herumzufahren oder auf eine Waschmaschine zu stellen. Hier ist Vorarbeit von euch gefragt und ihr solltet euch überlegen, was ihr der Erzieherin realistisch „zumuten“ könnt, und was ihr eurem kleinen Schatz eher austreiben solltet, auch wenn es schwer fällt.

In den meisten Kindergärten wird das Füttern mit Muttermilch nicht möglich sein. Dies hat mit der Kühlkette zu tun, die bei Milchprodukten nicht unterbrochen werden darf. Daher sollte das Kind auf jeden Fall rechtzeitig an Pulver- oder Kuhmilch gewöhnt werden.

Lasst euch Zeit

Die Eingewöhnung ist genau wie jeder Teil des Lebens. Ihr könnt planen wie verrückt, am Ende kommt doch alles anders. Euer Kind spielt überall, läuft Fremden hinterher, isst alles, streitet sich nie und hat an euch den ganzen Tag über kaum Interesse. Also ist die Eingewöhnung kein Problem und ihr könnt nach einer Woche wieder arbeiten, richtig? Ein klares Vielleicht.
Es gibt genug Eltern, deren Kinder sich während der Eingewöhnung wenig kooperativ gezeigt haben. Wenn nun ein Berufseintritt nach der Eingewöhnung zu knapp geplant ist, dann entsteht ziemlicher Stress. Und in den meisten Fällen ist das kontraproduktiv.
Da jedes Kind verschieden ist, kann die Eingewöhnung wenige Stunden oder auch Monate dauern. Plant also nicht mit 5 Tagen Urlaub oder festen Terminen. Versucht lieber, ein variables Zeitziel zu setzen, dann klappt es meistens sogar schneller.

In vielen Kindergärten ist es üblich, die Kinder in Wellen einzugewöhnen. Zum Beispiel wird nach den Sommerferien erst mal die bestehende Gruppe eine Woche lang betreut, danach kommen 3 neue Kinder, nach einer Woche kommen wieder 3 neue und so weiter. Daher sollte der Arbeitseintritt vorher auch mit dem Kindergarten abgeklärt werden, um genügend Zeit für die Eingewöhnung zu bekommen. Fairerweise sollte man auch warten, wenn der Arbeitsbeginn nicht zu dringend ist.

Es geht los…

Nun ist der erste Tag und ihr habt euer Kind auf „Kindergarten“ gepimpt. Was passiert nun?
Die meisten Kindergärten arbeiten mit dem sogenannten Berliner Model. Dabei ist die Bezugsperson die ersten Tage noch im Kindergarten. Die Zeiten im Kindergarten werden langsam erhöht, bis das Kind einen kompletten Tag mitmachen kann.
Je nach Kind wird es dann langsam von der Mutter (die meistens die Eingewöhnung macht) „entwöhnt“. Mama geht kurz auf den Flur, Mama setzt sich in die Küche, Mama geht einkaufen, Mama gibt dich ab und holt dich nachher wieder. Wichtig während dieser Phase ist, dass die Person, welche die Eingewöhnung macht, immer erreichbar ist. Sollte etwas mit dem Kind sein, muss sie schnellstmöglich zurückkommen, damit das Kind nicht unsicher wird.
Während der Eingewöhnung ist es nicht eure Aufgabe, die ganze Zeit mit eurem Kind zu spielen. Vielmehr solltet ihr versuchen, euch raus zu halten, damit euer Kind mit den anderen Kindern Kontakte knüpfen kann bzw. sich in die bestehende Gemeinschaft einordnet. Das fällt oft schwer, gerade wenn der kleine Schatz aneckt oder niemand mit ihm spielen will. Wenn euch etwas komisch vorkommt, solltet ihr dies mit der Erzieherin besprechen. Auch Wünsche oder Fragen können und sollten in dieser Zeit gestellt werden.
Wenn es dem Kind zu viel wird, solltet ihr gehen, auch wenn es schon nach 15 Minuten ist. Der Kindergarten ist anstrengend, daher braucht man gerade für die Eingewöhnung viel Kraft (gilt für alle Beteiligten ;)).

Es klappt nicht…

An dieser Stelle sollten sich die meisten Kinder an den Kindergarten gewöhnt haben. Leider klappt es nicht bei jedem. Hier müsst ihr versuchen, individuell auf euer Kind einzuwirken. Zum Beispiel, wenn es Angst hat, dass ihr es nicht mehr abholt, übt dies mit Oma und Opa an verschiedenen Orten.
Oder ihr habt einen neuen Job, dann könntet ihr euer Kind mitnehmen und ihm zeigen, dass ihr auch nicht zu Hause seit.
Manchmal ist es auch Eifersucht auf das kleine Geschwisterchen, was dann mit Mama oder Papa alleine zu hause ist. Was hier hilft kann ich nicht sagen, aber sobald ich es herausgefunden habe, poste ich es 🙂

Wenn ihr die obigen Tipps beherzigt und euer Kind aufgeschlossen ist, sollte alles problemlos klappen. Wenn nicht, dann hilft nur Geduld und die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen. Die meisten Kinder gehen gerne in den Kindergarten und sie lernen dort eine Menge. Wenn ihr ihnen helft, dann schafft ihr das.

Wenn euch diese Tipps gefallen haben, dann teilt ihn bitte auf Facebook, das hilft mir sehr aber auch anderen Eltern, welche die Eingewöhnung noch vor sich haben.

Viele Grüsse und eine entspannte Zeit,

Thomas

4 Kommentare zu “Wie kann ich meinem Kind die Eingewöhnung in den Kindergarten erleichtern?

  1. Schöner Beitrag!
    Ich bin ja echt froh, dass meine Beiden da total unkompliziert waren. Am ersten Tag 3 Stunden bis zum Mittagessen, komplett ohne mich. Und dann wurde schon gejammert, dass sie noch nicht heim wollen. Also ab dem 2ten Tag gleich das ganz normale Programm abgespult. Ich weiß, dass da aber meist später nochmal so Phasen kommen, in denen sie dann nicht ganz so mitmachen. Das war beim Großen schon so, und wird bei der Kleinen auch noch kommen. Ich habe in der Zeit die Kindergartenzeit dann etwas verkürzt. Also den Buben einfach am Freitag daheim gelassen, ohne das ihm gegenüber großartig zu thematisieren. Dann kamen 2 Wochen Ferien und wir konnten wieder ganz normal starten.
    LG, Tina

    1. Hey du, danke für den Kommentar. Es freut mich, das es bei dir so einfach lief 🙂 und richtig, die meisten Kinder bekommen später nochmal eine Phase, gerade wenn etwas anderes im Kindergarten schief läuft oder aber Zuhause irgendwas quer hängt.

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